GEWALTPRÄVENTION

An der Tami-Oelfken-Schule wird seit Jahren intensiv an dem Problembereich „Gewalt in der Schule“ gearbeitet. Gewaltprävention ist Bestandteil unseres Schulprogramms.

Zum besseren Verständnis wollen wir vorweg erläutern, wie wir den Gewaltbegriff fassen:
Wir verstehen darunter sowohl körperliche als auch verbale Gewalt, die Androhung von Gewalt im Sinne von Erpressung und Raub, Mobbing und Vandalismus.

Es hat sich innerhalb des Kollegiums eine Arbeitsgruppe gebildet, die in regelmäßigen Abständen tagt und Vorschläge zur Gewaltprävention erarbeitet und der Gesamtkonferenz vorstellt.
Im Laufe der Zeit haben wir einen ganzen Katalog an Maßnahmen ergriffen, der sich in seiner Gesamtheit als recht wirkungsvoll erweist und das Schulklima für alle Beteiligten spürbar verbessert hat.

Aktuell lässt sich feststellen, dass an unserer Schule eine freundliche und entspannte Stimmung herrscht. Unsere Schule ist ein Ort, an dem sich die Schüler und Schülerinnen (auch die Lehrer und Lehrerinnen) überwiegend wohlfühlen, gerne dort lernen und arbeiten und sich sicher und ernst genommen fühlen.

Das bedeutet nicht, dass es nicht immer wieder mal zu Auseinandersetzungen zwischen den Kindern kommt oder es bei uns nie zu Formen von Vandalismus kommt.
Wo so viele Kinder unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft so viele Stunden des Tages miteinander verbringen, kann es gar nicht gänzlich ohne Konflikte zugehen.
Konflikte müssen sogar sein und können auch positiv für die Entwicklung des einzelnen Kindes oder der gesamten Gruppe wirken.



Wie wir nun mit diesen Konflikten umgehen und wie wir auch versuchen, die gewalttätige Austragung solcher Konflikte bereits im Vorfeld zu mildern oder sogar zu vermeiden, möchten wir im folgenden darstellen.


Dabei handelt es sich um drei große Bereiche:
Prävention, Reaktion auf Konflikte und Intervention.

Schwerpunktmäßig haben wir uns mit den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Grundversorgung, Rhythmisierung, Rituale, Frischluftangebote, Beteiligung und Übertragen von Verantwortung an die Schüler, Konfliktmanagement, sowie Vernetzung mit anderen Einrichtungen im Stadtteil befasst.

Über allen Maßnahmen steht unsere Erkenntnis, dass nur starke, sich ihres eigenen Wertes bewusste Kinder angstfrei und ohne Aggressionen miteinander umgehen können.

Deshalb hat bei uns die Förderung von Lebenskompetenzen oberste Priorität.
Wir wollen die kindliche Persönlichkeitsentwicklung orientiert an den von der WHO herausgegebenen Dimensionen der Gesundheitsförderung stärken.

Die Unterrichtsprogramme „Fit fürs Leben“ und „Eigenständig werden“ sind aus diesem Grunde selbstverständlicher Bestandteil unseres Unterrichtskonzepts.
Mit in diesen Rahmen gehört das Sozialtraining, das wir in enger Kooperation mit den Mitarbeitern der Hans-Wendt-Stiftung regelmäßig in den Klassen durchführen.

Zur Stärkung des Selbstwertgefühls der Kinder haben wir auch außerunterrichtliche musische Angebote in Form von Arbeitsgemeinschaften an unserer Schule eingerichtet.
So gibt es bei uns ein Zirkus- und ein Trommelprojekt.
Darüber hinaus nehmen wir teil am “muse“-Projekt, einem von der Yehudi-Menuhin-Stiftung ins Leben gerufenen Unterrichtsinitiative, bei der Künstler 1-mal wöchentlich in die Schule kommen und mit Kindern und Lehrern gemeinsam musisch orientierte Projekte durchführen.
Diese Maßnahmen sollen den Kindern neue Entwicklungsperspektiven eröffnen in Bereichen, die sie sich über alle Sinne freudvoll erschließen können und die ihnen das Gefühl vermitteln „ Ich kann etwas“.
Den Kindern sollen möglichst viele Erfahrungen ihres Könnens abseits schulischer Lerninhalte vermittelt werden, die Freude am gemeinsamen Tun geben, ihre Sensibilität und Kreativität stärken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Überlegungen war, dass die Grundversorgung unserer Schüler und Schülerinnen oft von zu Hause aus den unterschiedlichsten Gründen nicht sicher gestellt ist.
Wir hielten es daher für notwendig in diesem Bereich für die Kinder etwas zu tun.

Im Rahmen der Teilnahme der Schule am opus-Projekt (gesundheitsfördernde Schule) richteten wir eine Frühstücksküche ein, in der täglich gemeinsam mit wechselnden Schülergruppen unter der Anleitung von Berufsschulschülerinnen des Sek-II-Zentrums Blumenthal ein gesundes Frühstück zubereitet wird. In der Frühstückspause kann es von den Kindern zum Selbstkostenpreis erworben werden.

Um den Kindern ein zeitliches Orientierungsgefühl zu vermitteln, haben wir versucht, das Jahr durch besondere immer wiederkehrende Aktivitäten zu strukturieren.
Dazu gehören sportliche Veranstaltungen wie Fußball- und Korbballturniere ebenso wie der jährlich stattfindende Schülerflohmarkt. Eine gemeinsame Faschingsfeier wird im jährlichen Wechsel mit einem Schulfest veranstaltet.
Höhepunkt des Jahres ist für alle die gemeinsame Theaterfahrt zum Weihnachtsmärchen ins Theater am Goetheplatz.
Zu Beginn der Adventszeit führen wir alljährlich ein klassenübergreifendes Weihnachtsprojekt durch, das mit einer großen Ausstellung seinen Abschluss findet.
Das Adventssingen am Weihnachtsbaum hat an unserer Schule ebenfalls schon lange Tradition.
Einmal im Jahr findet eine große Zirkusaufführung statt, wo die Kinder ihre neu erworbenen Kunstfertigkeiten präsentieren können.
Auch die Trommelgruppe stellt sich immer wieder mit kleinen Auftritten in der Öffentlichkeit vor. Sogar eine erste CD wurde gebrannt.

Eng mit der Rhythmisierung ist bei uns die Einführung des sog. Freitagsrituals verbunden.
Jeden letzten Freitag im Monat versammeln sich in der Pausenhalle alle Schülerinnen und Schüler, alle Lehrerinnen und Lehrer.
Abwechselnd gestaltet immer ein Jahrgang das Treffen. Dort präsentieren sie kleine Theaterstücke, Lieder, Tänze, tragen Gedichte oder selbstverfasste Geschichten vor.
Dieses Treffen bietet auch das Forum für die Begrüßung und Verabschiedung einzelner Schüler und Schülerinnen oder ganzer Klassen. Es ist der Ort, an dem besondere Leistungen einzelner Schülerinnen und Schüler gewürdigt werden.
So werden hier Urkunden der Bundesjugendspiele überreicht, die Ergebnisse von den Korbball- und Fußballturnieren bekannt gegeben, es werden aber auch einzelne Schüler für besonders lobenswerte Verhaltensweisen vorgestellt.
Beendet wird diese Schülerversammlung meistens mit unserem Lüssi-Rap, einem selbst getextetem Lied, das die Identifikation mit der Schule fördern soll.

Da Konflikte häufig während der Pausenzeiten in ungelenkten freien Situationen auftreten, haben wir versucht, den Kindern durch besondere Angebote auch in den Pausen eine Struktur zu geben.

Wir haben viele Kleingeräte in den Klassen (Seile, Bälle, Stelzen, etc.), die die Kinder mit in die Pause nehmen können.
Im Rahmen unseres Zirkusprojekts haben wir zusätzlich viele Zirkusutensilien angeschafft
( Teller, Einräder, Tücher etc. ), die ebenfalls mit auf den Hof genommen werden können. Die Ausleihe organisieren die Kinder inzwischen selber in eigener Verantwortung.

An bestimmten Wochentagen haben wir darüber hinaus ein angeleitetes Pausenangebot wie z.B. Pausenfussball und Einradtraining.

Die Beteiligung und das Übertragen von Verantwortung an die Schüler und Schülerinnen haben wir u.a. erfolgreich bei der Pausenausleihe der Zirkusgeräte verwirklicht – es ist noch nie ein Teil weg gekommen.
Wir haben auch die Lehreraufsicht an der Eingangstür während der Pausenzeiten durch Schüler und Schülerinnen der vierten Klassen ersetzt. Seither ist es an der Tür ruhiger geworden.
In jeder Klasse gibt es einen wöchentlich wechselnden Schlüsseldienst, der nach der Pause den Klassenschlüssel von seiner Lehrerin aus dem Lehrerzimmer abholt und die Klasse aufschließt. Den Kindern wollen wir das Gefühl vermitteln, dass wir ihnen zutrauen, einen Moment ohne Aufsicht allein in der Klasse zu sein und eigenverantwortlich zu arbeiten.
Es kommt recht selten vor, dass es während dieser Einlassphase nach der Hofpause zu gravierenden Konflikten kommt, bei denen die Lehrer und Lehrerinnen eingreifen müssen.

In jeder Klasse gibt es selbst erarbeitete Klassenregeln, aus denen wenige aber klare und eindeutige Schulregeln hervorgegangen sind, die die Kinder mehrheitlich als besonders wesentlich für ein friedliches Miteinander benannt haben.

Sind diese o.g. Maßnahmen alle dem großen Bereich der Gewalt- und Konfliktprävention zu zuordnen, möchten wir jetzt die Maßnahmen vorstellen, mit denen wir akuten Konflikten, die es bei uns natürlich auch gibt, versuchen kindgemäß zu begegnen:

Oberstes Prinzip bei uns ist zunächst einmal eine Kultur des Hinschauens mit sofortigen zeitnahen und dem Konflikt logisch folgenden Interventionen.

Für Konflikte, die klassenübergreifend, öfter wiederkehrend und von den Kindern oder vom Lehrer/ von der Lehrerin nicht gelöst werden können, haben wir einen „Runden Tisch“ eingerichtet, der bei Bedarf tagt. Zwei Lehrerinnen leiten dieses Projekt.

Am “Runden Tisch“ kommen alle am Konflikt Beteiligten zu Wort und versuchen eine gemeinsame Lösung für die Beilegung zu finden, mit der alle zufrieden sein können. Unterstützt werden die Kinder dabei von einer Lehrerin, die die Gespräche moderiert und die Ergebnisse festhält.

In besonders schwerwiegenden Fällen oder bei immer wiederkehrenden Konflikten, die sich auch am „Runden Tisch“ nicht mehr lösen lassen, wird die Schulleitung eingeschaltet.

Hier gibt es Gespräche mit dem betreffenden Schüler/ der Schülerin. Gegebenenfalls werden auch die Eltern des Kindes dazu eingeladen.
Die Gespräche werden schriftlich festgehalten; sie werden oft durch Verträge zwischen Schüler/ Schülerin und Schulleitung ergänzt.

Als flankierende Maßnahmen, die sich sowohl bei der Prävention als auch bei der Krisenintervention für uns als hilfreich erwiesen haben, möchten wir die enge Vernetzung und Kooperation mit allen Einrichtungen im Stadtteil betonen:

Amt für Soziale Dienste, Schulärztlicher Dienst, Kinderärzte, regelmäßiger Austausch im Arbeitskreis Kind, Kontaktpolizist, Horte, Kindergärten, Schulpsychologischer Dienst, Erziehungsberatung, Täter-Opfer-Ausgleich.
Für die Zukunft möchten wir den musischen Bereich an unserer Schule noch mehr stärken, wir wollen ein Musikprofil aufbauen und das Zirkusprojekt zu einem Stadtteilzirkus entwickeln.

Wir wollen auch Elterngesprächsrunden einrichten, in denen wir Erziehungsprobleme thematisieren. Wir versprechen uns davon, dass wir mit den Eltern über differierende Erziehungsvorstellungen ins Gespräch kommen. Viele Konflikte unter Kindern entstehen ja auch, weil Eltern keine klaren Grenzen setzen.

Des weiteren planen wir, ein Streitschlichtermodell zu etablieren. Geeignete Schüler sollen dabei zu Konfliktlotsen ausgebildet werden. Die zugrunde liegende Idee ist, dass Konflikte der Kinder in eigener Verantwortung von Kindern gelöst werden.

Zur Evaluation unserer Maßnahmen planen wir eine parallele Schüler- und Elternbefragung.
Wir wollen versuchen, hierfür mit der Universität zusammen zu arbeiten und Studenten des Fachbereichs Psychologie für die Ausarbeitung und Auswertung der Fragebogen zu gewinnen.

Keine dieser vorgestellten Maßnahmen kann isoliert betrachtet werden, alles wird nur in der Gesamtschau wirksam und trägt bausteinartig dazu bei, dass unsere Schule ein sicherer Ort für Kinder geworden ist und bleibt.